Bewerben in Japan

Da ich gerade auf der Suche nach einem neuen Job bin, möchte ich in diesem Beitrag auf den Bewerbungsprozess in Japan eingehen, insbesondere auf den von Uniabgängern. Viele Studenten fangen in Japan schon im letzen oder sogar vorletzten Studienjahr sich zu bewerben, sodass viele schon mehrere Monate vor Ende des Studiums eine Stelle haben und dann ab April anfangen zu arbeiten. (Das Studienjahr endet in Japan im März.)

Im Gegensatz zu Deutschland fangen die meisten Japaner direkt nach dem Studium mit einer Festanstellung an. Viele Firmen bieten Stellen an, die direkt nur für Uniabgänger gedacht sind. Eine Praktikumskultur wie in Deutschland,  gibt es nicht. Praktika gibt es in Japan zwar auch, aber diese sind meist nur 1-2 Wochen lang und werden in dem Sommerferien während des Studiums absolviert. Sie sind eher dazu da, um in einen Beruf reinzuschnuppern, als um Berufserfahrung zu sammeln.

Der Bewerbungsprozess beginnt in der Regel mit einem „Setsumeikai“, einer Veranstaltung, wo die Firma sich selbst vorstellt. Es wird ein großer Raum gemietet und Personaler halten eine Presentation um die Firma zu erläutern und sie den Studenten schmackhaft zu machen.

Wer sich nach dem Setsumeikai immer noch bewerben will, muss nun einen Entrysheet ausfüllen, entweder online oder mit der Hand, je nachdem was die Firma vorschreibt. In dem Entrysheet gibt man ähnliche Daten an, wie im Lebenslauf und muss meistens noch ein paar Fragen beantworten, z. Bsp. wo man sich in der Uni am meisten angestrengt hat, warum man sich bei der Firma bewirbt, was man für Karrierevorstellungen hat etc.

Anhand der Entrysheets wählt die Firma nun Kandidaten aus, die zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden. Die Anzahl der Gespräche variiert je nach Firma, minimal sind es 2, ich habe aber auch schon Firmen gesehen, die bis zu 5 Gespräche machen. Meist ist das erste Gespräch mit einem Personaler, später dann mit dem potentiellen Vorgesetzten und am Ende mit dem Vorstand der Firma.

Zwischen den Gesprächen gibt es bei einigen Firmen auch noch  sogenannte SPI Tests. Das sind Tests, wo man Matheaufgaben und Fragen zur Japanischen Sprache beantworten muss. Die Matheaufgaben sind recht einfach, jedoch die Japanischaufgaben sind sogar für die meisten Japaner recht anspruchsvoll. Ich selbst habe solch einen Test auch schon mehrmals mitgemacht und bin jedes mal an den Japanischaufgaben gescheitert. Dazu kommen meistens noch Fragen zu Persönlichkeit, um den Bewerber besser einschätzen zu können.

Wenn man aus all den Gesprächen erfolgreich hervorgeht erhält man eine „Naitei“, eine schriftliche Zusicherung der Firma, dass man eingestellt wird. Viele Studenten erhalten ihre Naitei schon Monate bevor sie anfangen mit arbeiten, daher haben sie die Möglichkeit sich noch weiter umzusehnen, ob es nicht noch eine bessere Stelle gibt.

Gute Studenten erhalten Naitei von mehreren Firmen und können sich dann aussuchen, wo sie arbeiten möchten.

Der Bewerbungsprozess folgt meist einem strengen Zeitplan, der von Firma zu Firma unterschiedlich ist, sodass man sich schon frühzeitig informieren muss, wann welche Firma Setsumeikais veranstaltet und bis wann man sich bewerben muss.

Der Vorteil dieses Systems ist, dass viele Studenten direkt nach dem Studium mit einer Festanstellung anfangen können, und nicht wie in Deutschland erstmal mehrere Praktika absolvieren müssen. Der Nachteil ist, dass das Bewerben in den letzen beiden Studienjahren sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und sich so die Studenten weniger auf ihr eigentliches Studium konzentrieren können. Auch kommt es vor das Firmen bereits vergebene Naitei wieder zurückziehen, da sich die wirtschaftliche Situation verändert hat und man plötzlich nicht mehr so viele Leute einstellen kann, wie zunächst geplant war.

Ich persönlich finde es gut, dass es es Stellen gibt, die speziell für Berufsanfänger gedacht sind, allerdings finde ich, dass man den Bewerbungsprozess auch ein wenig vereinfachen könnte, damit er den Studenten nicht zu viel Zeit weg nimmt, um ihrem Studium nachzukommen.

 

 

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3 Kommentare zu „Bewerben in Japan

  1. Mein Partner ist zur Zeit auch am Routieren für sein Jobhunting und tut mir bei dem ganzen Stress richtig Leid … Er kommt nicht von einer der Elite Unis und ist dementsprechend teilweise richtig unmotiviert, was ich ziemlich schade finde.
    Wie du schon sagst, halte ich es auch für sinnvoller, diese ganzen Prozesse ein wenig zu vereinfachen. Im Endeffekt stellen die Firmen mit Studienabgängern ja wirklich Grünschnäbel ein, die sie dann intern erst richtig ausbilden. Von daher haben alle irgendwo den selben Startpunkt. Kann man sich also überlegen, ob bis zu 5 Vorstellungsgespräche Sinn machen, haha ^^

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