Premium Friday

(aktualisiert: Feb 2018)

Seit Anfang 2017 hat die japanische Regierung mit einer Bewegung begonnen, die sich Premium Friday nennt. Es ist eine Empfehlung der Regierung an Firmen, dass man am letzten Freitag des Monats, alle Mitarbeiter um 15 Uhr nach Hause schicken soll.

Warum das Ganze?

Es soll zum einen die Wirtschaft ankurbeln und zum anderen die Work-Life-Balance in Japan verbessern. Ob man den Premium Friday einführt, ist den Firmen selbst überlassen. Bisher macht auch nur ein sehr geringer Teil aller japanischen Firmen mit. Laut dieser Umfrage von Intage gaben 2017 nur knapp über 10% an, dass ihre Firma den Premium Friday umsetzt. In 2018 ist diese Zahl nur geringfügig auf 11% gestiegen.

Meine ehemalige Firma hatte den Premium Friday seit Anfang 2017 eingeführt. Allerdings nicht 15:00 sondern 15:30, weil der Geschäftsführer ein bisschen knauserig ist. Natürlich war alles unter der Bedingung, dass keine dringenden Aufgaben zu erledigen waren. In dem Fall musste man bleiben, bis diese fertig waren, und hat auch für die Zeit von 15:30 bis zum regulären Arbeitsende keine Überstunden angerechnet bekommen.

Guter Ansatz, aber leider nicht zu Ende gedacht

Ich finde es an sich eine gute Idee, zu versuchen, die Work-Life-Balance zu verbessern, allerdings frage ich mich, ob die Verkürzung der Arbeitszeit am Freitag nicht einfach zu mehr Überstunden an anderen Tagen führt.

Um die Arbeitszeit zu verkürzen, ist es ja auch notwendig die Arbeitseffizienz zu erhöhen. Diese ist in Japan nicht besonders hoch und wenige Leute streben eine Verbesserung an. Ich selbst habe es früher jeden Tag auf der Arbeit erlebt. Es gab in vielen Firmen, wo ich gearbeitet habe, diverse Aufgaben, die man effizienter erledigen könnte, allerdings wird nichts an der Arbeitsweise geändert, da man es ja schon immer so gemacht hat und die Arbeit genau nach Vorgabe erledigt werden muss.

Außerdem bringt dieser Tag auch nur Leuten mit einem Bürojob etwas, Arbeiter im Einzelhandel, in der Gastronomie etc. haben nichts davon. Angestellte, die kein monatliches Gehalt bekommen, sondern Stundenlöhne, sind auch nicht begeistert, denn sie verdienen ja auch weniger, wenn sie freitags eher gehen. In dieser Hinsicht wirkt sich diese Regelung eher negativ auf die Wirtschaft aus.

Wie verbringen Japaner den Premium Friday?

Es gibt an den Premium Fridays immer viele Events und besondere Rabattaktionen in Restaurants und Geschäften. Laut der oben erwähten Umfrage gingen aber 46% der Japaner, die eher gehen konnte, an einem oder mehreren Freitagen direkt nach Hause. Immerhin 40,4% gaben an, dass sie auswärts essen waren und 31,3% waren einkaufen gegangen. In dieser Umfrage von DENA Travel gaben allerdings 66,7% an, dass sich ihre Ausgaben seit Einführung des Premium Friday nicht erhöht haben.

27,9% waren der Auffassung, dass sie durch den Premium Friday mehr Zeit für sich und Hobbys haben und 21,9 % haben jetzt mehr Zeit um sie mit der Familie zu verbringen. (Umfrage von Intage)

Fazit

Das Japan etwas zur Verbesserung der Work-Life-Balance tun muss, steht wohl nicht in Frage. Der Premium Friday ist da besser als gar nichts und die geannten Umfrage zeigt, dass einige Japaner jetzt mehr Freizeit haben. Allerdings werden hier von vornherein bestimmte Berufsgruppen außen vorgelassen bzw. benachteiligt und die Zahl der teilnehmenden Firmen bleibt gering. Ohne ein ganzheitliches Konzept zur Verbesserung der Arbeitseffizienz, in dem alle Branchen betrachtet werden, wird es wohl keine wirkliche Verbesserung geben. Den erwünschten wirtschaftlichen Effekt hat der Premium Friday leider auch nicht, wenn viele direkt nach Hause gehen und nicht mehr Geld ausgeben als vorher.

Links zum Weiterlesen:

Die offizielle Webseite zum Premium Friday (Japanisch)

 

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