Wie man in Japan einen Job findet – Teil 1

In Facebookgruppen zu Japan findet man häufig Menschen, die einen Job in Japan suchen und nach Rat fragen. Daher möchte ich auch mal meinen Senf dazu geben, meine persönlichen Erfahrungen auf der Jobsuche schildern und ein paar Tips geben.

Ich hatte an eine mehrteilige Artikelserie gedacht, bei der es jedes Mal um andere Varianten der Jobsuche geht. Bitte beachtet aber, dass vieles auf meinen persönlichen Erfahrungen beruht und daher nicht allgemein gültig ist.

Zunächst einmal: mit Job meine ich eine Festanstellung, die es möglich macht ein Arbeitsvisum zu beantragen und keinen Teilzeitjob. Im ersten Teil dieser Serie möchte ich auf allgemeine Voraussetzungen und Praktika eingehen.

Mit Working Holiday zum festen Job

Grundsätzlich hat man bessere Chancen, eine Job zu finden, wenn man bereits in Japan ist, als wenn man versucht, einen Job aus dem Ausland aus zu finden, weil man persönlich zum Gespräch kommen kann und eventuell auch direkt anfangen kann, wenn man schon ein passendes Visum hat (z. B. Working Holiday). Wenn nicht, ist es aber meist auch einfacher ein vorhandenes Visum zu ändern, als ein neues Arbeitsvisum aus dem Ausland aus zu beantragen. Einige Stellenanzeigen geben auch direkt an, dass Kandidaten, die schon in Japan sind, bevorzugt werden.

Als Deutscher kann man, wenn man unter 30 ist, recht einfach an ein Working Holiday Visum kommen, das einem ermöglicht ein Jahr in Japan zu bleiben und unbeschränkt zu arbeiten. (Es gibt die Annahme, dass man mit dem WH Visum nur Teilzeit arbeiten kann, diese ist aber falsch. Man kann auch Vollzeit arbeiten und hat keinerlei Beschränkung, was für eine Arbeit man macht, nur die sogenannten Nachtjobs wie zb. Bsp. Host/Hostess etc. sind tabu. In der Hinsicht ist das WH Visum sogar besser als ein Arbeitsvisum, weil die immer auf eine bestimmte Art von Job beschränkt sind. Es wird allerdings von deutscher Seite aus nicht gerne gesehen, wenn man mit dem Visum hauptäschlich arbeitet.)

So kann man zum Beispiel einen Nebenjob annehmen und nebenbei nach einem festen Job suchen oder ein Praktikum machen, bei dem man eventuell eine Chance auf Übernahme hat. Es ist auch relativ einfach von einem Working Holiday Visum auf in Arbeitsvisum zu wechseln. Aber ein Working Holiday Visum bekommt man nur einmal im Leben, daher sollte man die Zeit gut nutzen und sich vorher überlegen, ob man das Jahr zu Jobsuche verwenden oder lieber das Land bereisen möchte. Letzteres kann auch eine sehr gute Erfahrung sind, weil wenn man erst mal in Japan arbeitet, hat man nicht mehr viel Gelegenheit zum reisen.

Als Deutscher sollte man diese Vorrausetzungen mitbringen

Grundvoraussetzung als Deutscher dafür einen Job (ausgenommen als Englischlehrer) in Japan zu finden, sind gute Japanisch- und Englischkenntnisse. Es empfiehlt sich den JLPT (min. N2) und den TOEIC-Test abzulegen, da die bei Personalern immer gut ankommen. Weiterhin ist es vorteilhaft ein abgeschlossenes Bachelorstudium oder besser zu haben, teilweise werden zwar auch Ausbildungen anerkannt, aber heutzutage haben die meisten Japaner auch ein Bachelorabschluss und mit denen konkuriert man ja letztendlich. Ich persönlich habe ein wirtschaftsorientiertes Studium mit Fokus auf Japan gewählt. Reine Japanologie Studien würde ich nicht empfehlen, da sich doch die Jobauswahl sehr einschränkt.

Nach der ganzen Vorrede kommen wir nun zum Thema Praktika.

Pratika in Japan

Mehrmonatige Praktika wie in Deutschland sind in Japan eher ungewöhnlich. Uniabgänger fangen meist direkt mit einer Festanstellung an. (s.h. mein Blogeintrag zum Thema bewerben in Japan)

Nichtsdestotrotz bieten einige deutsche und japanische Firmen mehrmonatige Praktikumsplätze für Ausländer, mit Chance auf Übernahme nach Ablauf des Praktikums an. Die beste Anlaufstelle dafür ist Kopra.org. Viele Kommilitonen von mir haben nach einem Praktikum, das sie dort gefunden haben eine Festanstellung bekommen. Firmen die gerne Praktikanten übernehmen sind z.Bsp. Bosch, Tüv oder Mitsubishi Fuso. Ich selbst habtte auch ein Praktikum über Kopra gefunden, wurde aber damals leider nicht übernommen, eine deutsche Kollegin, die zur gleichen Zeit mit einem Praktikum angefangen hat, arbeitet noch heute für die Firma.

In Japan gibt es vernünftige Praktikantengehälter.

Als Praktikant verdient man auch gar nicht mal so schlecht. Im Schnitt 130.000-150.000 Yen im Monat. Manche Firmen stellen auch Firmenwohnungen für Praktikanten bereit, sodass man sich nicht selbst um eine Wohnung kümmern muss. Ich weiß nicht ob es allgemein so ist, aber bei mir war es sogar so, dass ich von meinem Praktikantengehalt keine Steuern zahlen musste.

In meinem Fall hat mich die Firma auch bei Behördengängen und Eröffnung meines Bankkontos unterstützt, was am Anfang sehr hilfreich war.

Pratika ohne Vergütung oder mit sehr geringer Vergütung würde ich nicht empfehlen, da kommt man mit einem Teilzeitjob besser weg. In Tokyo liegt der Mindestlohn bei 932 Yen pro Stunde und im Schnitt bekommt man ca. 950 Yen pro Stunde bei den meisten einfachen Teilzeitjobs, wenn man nachts arbeitet oft mehr.

Im Gegensatz zu festen Jobs, hat man bei Praktika auch eine realistische Chance eins von Deutschland aus zu finden. Dann werden die Vorstellungsgespräche über Telefon oder Skype geführt. Einige Kommilitonen von mir haben es auf diese Weise geschafft, einen Praktikumsplatz zu finde.

Lieber noch warten mit dem Abschluss des Studiums

Für manche Praktika ist es allerdings Voraussetzung, dass man man Student ist, daher sollte man, wenn nach Ende des Studiums ein Praktikum machen möchte, vorher überprüfen, welche Voraussetzungen die Wunschfirma hat und eventuell die Abgabe der Abschlussarbeit etwas hinauszögern.

Ich finde solche Praktika eine gute Möglichkeit um den Arbeitsalltag in Japan kennen zu lernen. Wenn man Glück hat und übernommen wird, weiß man auch direkt, was auf einen zu kommt, und falls nicht, hat man schon mal ein bisschen Arbeitserfahrung in Japan vorzuweisen, die die weitere Jobsuche erleichtern kann.

Nach Ende meines Praktikums hatte ich mich für weitere Praktika, aber auch Festanstellungen beworben und hatte direkt eine Zusage für ein Praktikum bei Mercedes, allerdings erhielt ich kurz danach eine Zusage für eine Festanstellung, entschied mich für diese und hatte damit meinen ersten festen Job.

 


Die anderen Teile der Serie findet ihr hier. Teil 2 >> Teil 3 >> Teil 4

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3 Kommentare zu „Wie man in Japan einen Job findet – Teil 1

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