Das iPhone X, die Chinesen und wieso Apple mal richtig gefailt hat

Erst mal vorweg es geht in diesem Artikel um den Verkaufsstart des iPhone X am 3. November und wie ich zu lange dafür angestanden habe. Ich werde mich negativ zu Apple und den Chinesen, die ich in der Schlange gesehen habe, äußern. Das soll nicht heißen, dass ich generell etwas gegen Chinesen habe, ich beziehe mich in dem Artikel immer nur auf die Chinesen, die in der Schlange waren. Ich kenne persönlich Chinesen, die ich sehr respektiere, da sie in hoch angesehenen Berufen arbeiten und sehr nette Menschen sind, aber durch meine Erlebnisse am 2. und 3. November hat sich mein allgemeiner Eindruck leider sehr verschlechtert.

Aber fangen wir mal von vorne an. Da ich wegen Verbindungsproblemen beim Apple Online-Shop leider nur eine Reservierung für das iPhone X bekommen hatte, die erst sehr spät ausgeliefert worden wäre, habe ich mich entschlossen, es am ersten Verkaufstag beim Apple Store zu versuchen, weil laut offizieller Aussage von Apple eine begrenzte Anzahl an iPhones für Leute ohne Reservierung vorhanden war.

Das heißt natürlich nicht, dass man einfach am Verkaufstag hin spazieren und ein iPhone kaufen kann, sondern dass man sich vorher anstellen muss. Da ich beim Verkaufsstart der Nintendo Switch gute Erfahrungen mit Anstehen in Japan gemacht hatte, wollte ich es diesmal wieder versuchen.

Mehr Leute als gedacht

Zunächst war es mein Plan, am Donnerstag dem 2. November nach der Arbeit in einem Manga Cafe in der Nähe eines Applestores zu übernachten und mich dann gegen 4 Uhr anzustellen. Es gibt in Tokyo drei Apple Stores (Ginza, Shibuya und Omotesando) und alle hatten angekündigt mit dem Verkauf um 8 Uhr morgens anzufangen.

Eine Twitter-Recherche ergab, dass am Abend des 2. Novembers beim Apple Store Ginza noch die wenigsten Leute waren. Es standen nämlich bereits am Morgen des 2. Novembers einige Leute an. Als ich dann nach der Arbeit um ca. 18 Uhr am Apple Store ankam, waren bereits über 100 Leute in der Schlange. Daher entscheid ich mich, mich direkt anzustellen.

Ich hatte einen Campingstuhl, genug zu essen, warme Kleidung, eine Powerbank und einige Videos auf dem Ipad dabei, sodass ich mir dachte, dass man die Zeit schon irgendwie rumkriegt.

In der Schlange vor und hinter wir waren jeweils eine Gruppe Chinesen. Allgemein hatte ich den Eindruck, dass mehr Chinesen als Japaner anstanden.

Die erste Konfrontation mit der Polizei

Ich setzte mich also gemütlich auf meinen Stuhl und fing an zu warten. So gegen 21 Uhr beschloss die Polizei, die Schlange insgesamt ein Stück nach hinten zu verlagern. Es wurden also immer Gruppen von Leuten gebeten, ein paar Schritte nach hinten zu gehen. An sich keine große Aktion, wenn aber die Hälfte der Leute kein Japanisch versteht oder so tut als würden sie es nicht verstehen, dann doch.

Direkt hinter mir waren zwei besonders hartnäckige Chinesen, die sich auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht vom Fleck bewegten. Sie sprachen anscheinend weder Japanisch noch English, sodass ich die Anweisungen der Polizei zunächst ins Englische übersetzte und danach eine andere Chinesin, die Englisch sprach, die Anweisungen ins Chinesische übersetzte. Nichtsdestotrotz wollten sie sich nicht einen Millimeter bewegen.

Ich versicherte der Polizei, dass ich kein Problem damit habe, ein paar Schritte zurück zu gehen, aber wies auch darauf hin, dass ich ja meinen Platz verliere, wenn die Chinesen hinter mir einfach stehen blieben.

Letztendlich wurden die zwei hartnäckigen Chinesen dann mit Gewalt von der Polizei weggezerrt und als Strafe ans Ende der Schlange versetzt. Das ging aber natürlich nicht ohne, dass ich auf Chinesisch beschimpft wurde bzw. ich weiß nicht wirklich, was man mir an Kopf geworfen hat, aber anhand der Mimik und Gestik waren es bestimmt keine Komplimente.

Aufgrund dieser zwei Chinesen gab es lange eine Lücke in der Schlange und ich bin mir nicht sicher, weil ich es nicht genau sehen konnte, aber es haben sich bestimmt einige Leute hinein gedrängelt.

Der Campingstuhl war für die Katz.

Kurz danach hieß es dann, dass doch bitte alle aufstehen mögen. Ich war mir nicht sicher warum und da die Gruppe Chinesen vor mir verschwunden war, hatte ich nun eine Gruppe Japaner vor mir und fragte sie, ob sie wissen, was das Problem sei.

Es hieß, dass es von vielen Läden Beschwerden bei der Polizei gegeben hatte. Die iPhone Schlange ging vom Apple Store weiter den ganzen Fußweg entlang, sodass die Leute vor den Eingängen zu anderen Geschäften saßen, die natürlich mit der ganzen Sache nichts zu tun hatten.

Laut der Polizei war es verboten zu sitzen, weil man dann offiziell als Anstehender gilt, und eigentlich war es laut Apple erst erlaubt ab 6 Uhr morgens anzustehen. Wenn man aber steht, so war man einfach nur eine Person, die zufällig gerade dort stand. Mir ist das Ganze nicht so wirklich klar geworden, aber ab diesem Zeitpunkt mussten alle stehen. Und ich hatte mir extra den Campingstuhl gekauft. T_T

Es patrouillierten nun Polizisten und Apple Mitarbeiter immer wieder die Schlange entlang und forderten Leute zum Stehen auf. Die Japaner standen alle brav, die meisten Chinesen standen nur kurz auf und setzten sich sofort wieder hin.

Zu diesem Zeitpunkt waren es schon über 500 Leute und nicht genug Personal um die Schlange zu überwachen. Als es nachts wurde, war auch nur noch ein einziger Apple Mitarbeiter da, der stetig die Schlange auf und ab ging, Leute zum Stehen aufforderte und aufpasste, dass sich niemand hinein drängelt, aber eine Person kann keine 500 Leute überwachen.

Apple ist überfordert.

So gegen 0 Uhr hieß es dann, es dürfte sich keiner mehr neu anstellen. Ob das jetzt aus dem Grund war, dass es nicht genug iPhones gab oder dass man die Schlange nicht mehr unter Kontrolle hatte, konnte keiner sagen.

Allgemein gab es keine Aussage dazu, wie viele iPhones denn jetzt da sind. Man hätte ja einfach nur die Leute zählen müssen und dann alle, die keins mehr bekommen, wieder nach Hause schicken können.

Insgesamt war es alles sehr schlecht von Apple organisiert. Es war klar, dass viele Leute kommen würden, also hätte man auch einfach einen offiziellen Anstehbereich festlegen können, wo die Leute sitzen dürfen und nicht stehen müssen. Außerdem hätte es viel mehr Applemitarbeiter bzw. Polizisten gebraucht, um die Schlange zu überwachen. Aber Apple hatte anscheinend nichts geplant und war nun vollends überfordert.

Meine Rettung

Mittlerweile hatte ich mich schon ein wenig mit den Japanern vor mir angefreundet. Da man stehen musste, hatte man ja eh nichts weiter zu tun und wir haben uns die meiste Zeit unterhalten.

Wir haben uns dann auch gegenseitig unterstützt und die Plätze der jeweils anderen verteidigt, wenn jemand mal auf Toilette musste oder kurz zum Konbini wollte. Hier lege ich die Betonung auf „verteidigt“, da man immer wieder Chinesen gesehen hat, die sich von der Seite aus in die Schlange drängeln wollten und auch nach mehrmaliger Aufforderung durch den Applemitarbeiter, es doch bitte sein zu lassen, nicht aufhörten.

Ohne diese Unterstützung hätte ich es wohl nicht durchgehalten. Ich hatte in dem Bezug echt Glück gehabt.

Die chinesische iPhone Mafia

Ein paar Meter vor mir in der Schlange passierte auch etwas Interessantes. Dort stand eine Gruppe von Obdachlosen an und ein Chinese kam immer wieder vorbei und gab Anweisungen oder verbreitete Informationen. Da fragt man sich natürlich, was machen Obdachlose in einer Schlange für ein Handy, das sich ein Normalverdiener kaum leisten kann. Laut dem Japaner neben mir, gibt es eine Art chinesische Mafia, die Obdachlose dafür bezahlt anzustehen, umso an viele iPhones zu kommen, die sie dann teurer weiter verkaufen können.

Da habe ich mich dann echt gefragt, wie tief man eigentlich sinken kann, um auf solche Ideen zu kommen.

Aber es waren nicht nur Obdachlose, auch bei der Gruppe Chinesen hinter mir gab es ähnliche Zustände. Eine Chinesin, die nicht in der Schlange stand, tauche immer wieder auf und verteile Zettel mit Informationen etc.

Nachts ist es kälter als draußen.

Die Nacht verging nur sehr langsam, da es gegen 1 Uhr anfing zu regnen und so auch sehr kalt wurde. An Schlafen war auch nicht zu denken, da man ja stehen musste und ich hätte auch Angst um meine Wertsachen gehabt, bei den ganzen Obdachlosen.

Auch fingen meine Beine langsam an wehzutun. Ich war jedes Mal froh, wenn ich auf der Toilette für kurze Zeit sitzen konnte.

Gegen 6 Uhr ging die Sonne auf. Aber wirklich warm wurde es noch nicht. Mittlerweile taten nicht nur meine Beine weh, sondern auch meine Hüfte, mein Rücken und eigentlich alles. Es war einfach nur noch eine Tortur, aber mit dem Gedanken, dass es in zwei Stunden losgeht, konnte man gerade noch so durchhalten.

Es wird Morgen.

Es wurde 7 Uhr, es wurde 8 Uhr und nichts passierte. Es gab keinerlei Bewegung in der Schlange. Allerdings liefen einige Applemitarbeiter herum, die uns mitteilten, dass zunächst Kunden mit einer Online-Reservierung bedient werden und man dann damit anfangen würde, die Schlange abzuarbeiten.

Uns wurde auch gesagt, dass man zum Kaufen des iPhones eine Mailadresse benötigt. Daraufhin fing der Chinese, der die Obdachlosen „betreute“ an, Zettel mit Mailadressen an sie zu verteilen. In der Gruppe Chinesen hinter mir wurden SIM-Karten verteilt.

Doch bis 10 Uhr gab es keinerlei Bewegung in der Schlange. Danach bewegte man sich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder ein wenig nach Vorne und dann war wieder Stillstand.

Es hing davon ab, wie viele Kunden mit Reservierung da waren, da diese bevorzugt bedient wurden.

Es wird Mittag.

Zumindest war es aber nicht mehr kalt. Gegen Mittag wurde es aber so warm, dass ich in meinen Winterklamotten schon arg ins Schwitzen kam und sitzen durfte man nach wie vor nicht.

Zum Glück war ich gegen 12 Uhr an einem Punkt der Schlange, der gegenüber von einem Yoshinoya war, wo ich mir zum Mittag einen Take-Out Gyudon kaufen konnte. Mir hat noch nie ein einfacher Gyudon so gut geschmeckt.

Niemand in der Japanergruppe hatte damit gerechnet, dass es so lange dauern würde. Alle hatten gedacht, dass sie so gegen mittags bereits zu Hause sind.

Welche Schlange ist die richtige?

Es gab mittlerweile zwei Schlangen, einen für Leute mir Reservierung und eine für Leute ohne. Teilweise standen in der Reservierungsschlange auch an die 100 Leute an. Apple hatte eigentlich schon mit diesen Kunden genug zu tun, wie kommen sie da auf die Idee, noch iPhones an Kunden ohne Reservierung zu verkaufen?

Da es nicht ausgeschildert war, welche Schlange welche ist, kamen auch immer wieder Leute mit Reservierung in unsere Schlange und standen falsch an, bis jemand sie darauf hinwies. Auch gab es immer noch Lücken in den Schlangen um Eingänge von Geschäften nicht zu versperren, welche natürlich auch zum hinein drängeln genutzt worden. Es waren leider immer noch zu wenige Leute da, um die Schlange ausreichend zu überwachen.

Social Media geht vor.

Für eins hatte Apple aber Zeit und Personal. Anstatt sich mit dem Problem der endlos langen Schlange zu beschäftigen, kamen Applemitarbeiter und nahmen Videos für Social Media auf. Ich dachte echt ich spinne, da ich schon mehr als 12 Stunden stehend verbracht hatte und langsam am Ende war.

Auch wusste zu diesem Zeitpunkt noch keiner in der Schlange, ob er jetzt ein iPhone bekommt oder nicht. Es gab keine konkreten Aussagen und Apple wusste anscheinend selber nicht mehr, wie viele iPhones noch da waren.

So gegen 14 Uhr kam dann der Apple Store in Sicht und kurz danach kam eine europäische Applemitarbeiterin, die sich endlich darum kümmerte, dass die Schlange zumindest im vorderen Bereich geordnet wurde.

Sie tat mir ein bisschen Leid, da ja vor mir die Gruppe Obdachloser war. Allerdings muss ich sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt bestimmt auch nicht besonders gut gerochen habe. xD

Endlich ist es so weit … nicht.

Nach 15 Uhr war es endlich so weit. Mehrere Applemitarbeiter kümmerten sich nun um die Formalitäten der Leute in der Schlange. Man musste ein Ausweisdokument vorzeigen, seine Mailadresse angeben und sagen, welche Farbe und Größe man kaufen möchte. Es gab eine Beschränkung auf zwei iPhones pro Person.

Durch diese Maßnahme wurden zum Glück die Obdachlosen aussortiert, da die ja keinen Ausweis haben.

Man bekam dann eine Bestätitungsmail von Apple mit der man sich nun in der Schlange für Leute mit Reservierung nochmal anstellen durfte. Ich dachte erst, dass man direkt in den Laden kann, aber nein nochmal anstellen. Mit der Mail von Apple wusste man aber nun zu 100%, dass man auch ein iPhone bekommen würde, was zumindest den psychischen Stress stark reduzierte. Ich musste sogar vor Erleichterung und Freude ein bisschen weinen.

Während ich noch auf die Bestätigungsmail wartete, sah ich übrigens Chinesen wieder, die am Anfang direkt vor mir in der Schlange gewesen waren. Sie waren schon in der Reservierungsschlange und kurz davor den Laden zu betreten.

In der Reservierungsschlange direkt hinter mir, war dann übrigens einer der Obdachlosen, der sich bei einer Applemitarbeiterin beschwerte, dass man ihm Geld versprochen hatte, wenn er sich hier anstellt und die Mitarbeiterin wusste auch nicht so recht, was sie ihm sagen sollte.

Tränen der Freude

Gegen 16 Uhr war es soweit. Man musste die Reservierungsmail und den Ausweis vorzeigen und durfte dann in den Laden.

Ich freundlicher Applemitarbeiter führte mich zum Verkaufsbereich, überprüfte nochmal meine Reservierung und brachte mir das iPhone. Ich zahlte und es wurde mir noch angeboten, dass man mir mit dem Setup hilft. Ich lehnte dankend ab, da ich nur noch nach Hauße wollte.

Als ich dann mit dem iPhone in der Hand den Laden verließ, musste ich erneut weinen. Das muss wohl für die Passanten ein sehr seltsames Bild gewesen sein. Ein völlig fertiger Gaijin steht mit einem kleinen weißen Apple-Beutel in den Armen auf der Ginza und weint. XD

Ich machte mich schnellstens auf den Heimweg und kam komplett erschöpft zu Hause an, wo mein Man schon sehnsüchtig und mit eingelassenem Bad wartete.

In dieser Nacht habe ich so tief geschlafen, wie lange nicht mehr.

Allerdings würde ich es keinem empfehlen sich in Japan für ein iPhone anzustellen. Es war einfach nichts von Apple organisiert gewesen und das Verhalten der Chinesen war teilweise echt unter aller Sau. Ich frage mich sowieso, wieso man, wenn man kein Japanisch kann, auf die Idee kommt, sich in Japan für ein iPhone anzustellen, nur um es weiter zu verkaufen. Es gibt doch auch Apple Stores in China.

Früher war alles besser.

Der Japaner vor mir hatte schon einige iPhone Verkaufsstarts mitgemacht und erzählt, dass es früher wie eine Party der Applefreunde war. Es waren keine Chinesen da, man durfte sitzen und alle haben gemeinsam Pizza bestellt. Morgens hat Apple dann Kaffee und Süßigkeiten verteilt und es gab auch keine Drängelei. Aber seit die Chinesen mit dabei sind, habe sich alles ins Negative verändert. Apple hat es durch das Reservierungsverfahren per Mail zwar geschafft die Obdachlosen vom Kauf abzuhalten, laut Twitter hat es die chinesische Mafia, trotzdem geschafft an 250 iPhones zu kommen.

Das Weiterverkaufen sollte eigentlich nicht im Sinne von Apple sein und wenn ihnen ihre “echten“ Kunden wirklich wichtig sind, dann sollten sie sich schleunigst einen Methode ausdenken, um so etwas zu verhindern.

Ich frage mich auch, ob es überhaupt noch rechtmäßig ist, da das ganze ja in mafiaähnlichen Strukturen organisiert wird.

Natürlich wird es auch immer Methoden geben, um Gegenmaßnahmen von Apple zu umgehen, aber man kann es den Resellern ja wenigstens so schwer wie möglich machen.

Hier habe noch ein Artikel über die chinesische Mafia gefunden, allerdings ist der vom iPhone 6 Release.

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Ein Kommentar zu „Das iPhone X, die Chinesen und wieso Apple mal richtig gefailt hat

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