Setsubun – Frühlingsanfang in Japan

Ehomaki Set im Supermarkt

Passend zum heutigen Tag geht es um Setsubun, ein Fest, das in Japan am 3. Februar zum Anfang des Frühlings zelebriert wird. Allerdings heißt das nicht, dass es bald warm wird, die Wettervorhersage für Tokyo sagt weiterhin Minusgrade voraus.

Setsubun ist kein gesetzlicher Feiertag, aber es finden Feierlichkeiten an Schreinen & Tempeln und auch in der Familie statt.

Die Setsubun-Feierlichkeiten bestehen im Großen und Ganzen aus zwei Dingen.

1. Mamemaki 豆撒き (Bohnenwerfen)

Dabei werden trockene Sojabohnen entweder nach Draußen oder auf ein Familienmitglied geworfen, das eine Oni-Maske trägt. Ein Oni ist ein japanischer Dämon. Dabei ruft man „鬼は外! 福は内!“ (Oni wa soto! Fuku wa uchi!; Raus mit dem Oni und rein mit dem Glück!). Damit bleiben die Oni draußen und das Glück kommt ins Haus, außer natürlich der Oni hat Bohnen in den Ohren. XD

Bohnen und Masken gibt es oft praktischerweise als Set in Supermärkten oder Kaufhäusern zu erwerben. Die Bohnen kann man auch essen, sie schmecken aber nicht besonders gut.

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Oni-Maske mit Bohnen

Ich selbst habe noch nie Bohnen geworfen, aber schon mal so eine Feierlichkeit an einem Tempel erlebt. Dabei werfen dann Geistliche Bohnen in die Menschenmenge vor dem Tempel. Ich bin mir nicht sicher, ob man davon ausgehen sollte, dass die Beworfenen damit zu Oni erklärt wurden, aber wahrscheinlich bringt es auch Glück, wenn man die Bohnen auffängt.

2. Ehomaki 恵方巻 (große Sushirollen)

Ehomaki sind eine spezielle Form des Futomaki, einer langen Sushirolle. In Japan kann man schon ab Anfang Januar Ehomaki für Setsubun reservieren und bekommt sie dann pünktlich am 3. Februar geliefert. Man kann aber auch einfach am 3. Februar in einen Supermarkt oder Konbini gehen. Gerade abends sind sie oft reduziert. Preise gehen bei ca. 400 Yen für normale Ehomaki los, halbe Ehomaki bekommt schon ab ca. 200 Yen.

Der Brauch der Futomaki kommt ursprünglich aus der Osaka-Gegend, wurde aber in den letzten Jahren auch in Tokyo eingeführt.

Traditionell ist man die Rolle in einem Stück ohne sie durchzuschneiden und muss dabei in eine bestimmte Richtung schauen, denn nur die bringt Glück. 2018 ist es Süd-Süd-Ost. Die Richtung ändert sich jedes Jahr basierend auf dem chinesischen Tierkreiszeichen des jeweiligen Jahres.

Irgendwie unpraktisch, wenn man erst mal den Kompass rausholen muss, bevor man essen kann und wenn man Bilder von Japanern googelt, die Ehomaki essen, könnte man auch auf andere Ideen kommen.

Das Problem mit den Ehomaki

Da der Brauch der Ehomaki aus Kansai stammt, ist er für viele Tokyoter noch neu. Ich höre oft von Bekannten oder Freunden aus Tokyo, dass es die Ehomaki früher nicht gab.

Im Gegensatz zu anderen Dingen, die man vorbestellen kann, gibt es hier in Tokyo nicht so einen großen Run und es kommt oft vor, dass nicht genug Ehomaki verkauft werden.

Gerade in den Konbinis, die ja mit Franchising funktionieren, bekommt der Besitzer vom Mutterkonzern eine Norm aufgedrückt und wenn er es nicht schafft, diese einzuhalten, muss er die übrigen Ehomaki selbst kaufen, oder er gibt es an seine Angestellten weiter.

Deswegen sieht man vor vielen Konbinis schon sehr früh im Januar Poster und Flaggen, die auf die Ehomaki hinweisen.

Wer zu der Zeit in Japan ist, kann ein Ehomaki gerne mal probieren, es schmeckt aber auch nicht viel anders als ein normales Futomaki.

Links zum Weiterlesen

Ein japanischer Blog, der sich mit dem Problem der Normen von Ehomaki auseinander gesetzt hat 

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4 Kommentare zu „Setsubun – Frühlingsanfang in Japan

  1. Man hat bei deinen Berichten den Eindruck, dass Japan konsumfreudiger ist als Deutschland. Aber wahrscheinlich kommt es einem nur so vor, weil die Menschen in Japan und Deutschland eben unterschiedliche Sachen kaufen. Bei uns wird ja auch jeder Mist kommerzialisiert. Der Valentinstag z.B. oder Halloween. Immerhin werfen wir nicht mit Bohnen auf Dämonen, aber die Idee gefällt mir. 😉

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    1. Japan ist schon ziemlich konsumfreudig. Valentinstag und Halloween wird hier auch zur Genüge kommerzialisiert. Weihnachten und Ostern auch, obwohl es diese Feste in der japanischen Religion gar nicht gibt. Das mit den Bohnen kommt aus dem Mittelalter, weil die Bauern damals nichts anderes hatten um sich zu Verteidigen, meinte mein Mann.

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      1. Ich mag ja gewachsene Kultur und würde auch Bohnen schmeißen, wenn dieser Brauch plötzlich zu uns rüberschwappen würde. 😉
        Nur Halloween find ich doof, weil wir ja schon die Fasnet haben. Wozu im Herbst nochmal verkleiden?
        Darf ich fragen, wie lange du schon in Japan lebst? Vergisst man irgendwann die deutsche Kultur und Mentalität?

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      2. Schon über 5 Jahre. Ich bin ja in Deutschland aufgewachsen, da werd ich die deutsche Kultur und Mentalität nie ganz vergessen. Ich Versuch auch gerade an Weihnachten, unsere familiären Tradition hier auch beizubehalten. Meine Mentalität hat sich bestimmt ein bisschen an die japanische angepasst, deswegen denke ich immer noch sehr deutsch würd ich sagen.

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