Der Sinn und Unsinn des JLPT

JLPT, die vier Buchstaben, die wahrscheinlich jeder Japanischlerner hasst. Was genau wird beim JLPT getestet und ist es sinnvoll, den Test zu machen?

Was ist der JLPT?

JLPT steht für Japanese Language Proficiency Test. Auf Japanisch sagt man 日本語能力試験 (Nihongo Noryoku Shiken). Er ist in 5 Stufen von N1 (schwierigste) bis N5 (einfachste) aufgeteilt  und prüft den Level im Japanischen durch Fragen zur Grammatik, zu Kanji, zum Hörverstehen, zu Vokabeln und zum Textverständnis.

Er findet zwei Mal im Jahr statt, im Sommer und Winter. In Deutschland kann man ihn in Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart ablegen. In Japan geht es in 47 Präfekturen.

Der Test ist so aufgebaut, dass man für jede Frage eine von vier Antworten auswählen muss und ähnelt so dem TOEIC- Test für Englisch.

Im Gegensatz zum TOEIC-Test, wo man am Ende eine Punktzahl erhält, geht es beim JLPT nur ums Bestehen oder Durchfallen. Dazu muss eine gewisser Anteil an Fragen korrekt beantwortet werden, der je nach Stufe unterschiedlich ist. Man bekommt zwar eine genaue Auswertung, diese gibt man aber nicht auf dem Lebenslauf an und wird in der Regel auch nicht danach gefragt.

Wie aussagekräftig ist der JLPT?

Ich finde ihn nicht wirklich aussagekräftig in der Hinsicht, wie gut eine Person Japanisch beherrscht, weil da für mich auch die sprachlichen Fähigkeiten und die Fähigkeit selbst Texte zu verfassen dazu gehören. Diese fallen beim JLPT komplett unter den Tisch.

Er sagt auch nur etwas darüber aus, wie gut man Grammatik, Vokabeln etc. beherrscht, wenn man ihn erst neulich abgelegt hat. Ich habe für die schwierigste Stufe viele Vokabeln und Grammatikstrukturen gelernt, die ich zum Großteil wieder vergessen habe, da ich sie im Alltag nicht brauche und ich arbeite in einer Firma, wo die interne Kommunikation fast komplett auf Japanisch abläuft. Wer allerdings viel Nachrichten/Zeitung auf Japanisch liest, wird einigen Sachen dort wieder begegnen.

Letztendlich sagt der JLPT meiner Meinung nach am Meisten darüber aus, wie gut eine Person für Tests lernen kann.

Wer sollte den JLPT machen?

Grundsätzlich ist es empfehlenswert für jeden Ausländer, der in Japan arbeiten oder einen Uniabschluss machen möchte. In Stellenanzeigen wird oft ein gewisser JLPT-Level vorausgesetzt. Natürlich man kann die Japanischkenntnisse auch anders nachweisen, aber der JLPT ist der am weitesten verbreitete Test für Japanisch.

Das heißt nicht, dass ein bestandener N1 heißt, dass man automatisch einen Job bekommt, aber man wird bestimmt eher zu einem Interview eingeladen als ein Kandidat ohne Nachweis. Grundsätzliche kommen Zertifikate jeder Art, insofern sie mit der gesuchten Stelle zusammenhängen, bei Personalern in Japan gut an. Wer einen Vollzeitjob, der Japanischkenntnisse voraussetzt, haben will, sollte meiner Meinung nach mindestens N2 bestanden haben. Ich habe aber auch schon Anzeigen gesehen, die sich mit N3 zufrieden geben.

In Bezug auf die Jobsuche in Deutschland habe ich wenige Erfahrungen, aber negativ wird ein bestandener JLPT bestimmt nicht bewertet.

Von vielen japanischen Unis wird der N1 verlangt, wenn man als Ausländer einen Abschluss machen möchte. Für kurzfristige Aufenthalte sind die Bedingungen aber lockerer.

Für alle die, die ihr Japanisch nicht im Beruf anwenden wollen, ist der Test eigentlich nicht notwendig. Man kann ihn als Erfolgskontrolle der eigenen Lernbemühungen in gewissen Aspekten ablegen, aber sonst bringt er einem nicht viel. Laut der offiziellen JLPT Statistik von 2016 haben sogar über 36% der Prüflinge den Test zu diesem Zweck abgelegt.

In Deutschland kostet ein Test 60€, in Japan 5.500 Yen. Wer Geld sparen will, sollte Stufe N4 und N5 überspringen. Es ist allerdings hilfreich, wenn man das ganze Prozedere einmal mit einfachen Fragen mitterlebt hat, damit man bei den schwereren Tests schon weiß, wie alles abläuft und sich an den Zeitdruck gewöhnt. Sprachschulen bieten aber auch Probedurchläufe an.

Ein bestandener JLPT Test verliert seine Gültigkeit nicht, je nach Arbeitgeber, wird es aber eventuell erwartet, dass man den Test in bestimmten Abständen wiederholt.

Ist N1 schwer?

Meiner Meinung nach ist N1 nicht schwer, aber das ist immer relativ. Man sollte nicht erwarten, dass man nach einem Jahr Lernen den N1 bestehen kann, außer man ist ein Genie. Ein gewisser Grundlevel sollte vorhanden sein und man muss auch schon einiges an Lernzeit investieren. Laut der Website der AHK Japan werden 900 Stunden für die Vorbereitung angesetzt.

Gerade beim N1 kommen viele Vokabeln und Grammatikstrukturen vor, die nicht alltäglich sind und die man speziell für den Test lernen muss. Wer aber genug Zeit investiert, sollte keine Probleme haben.

Es gibt viele Lehr- und Übungsbücher, die speziell für den JLPT geschrieben worden. Es sind auch viele Übungsaufgaben vorhanden, die man auf jeden Fall durcharbeiten sollte, damit man ein Gefühl bekommt, was gefragt wird und in die Denke des Test hineinkommt. Bei manchen Fragen kann man auch mehrere Antworten als richtig interpretieren, daher muss man wissen, wie die Fragesteller „ticken“. Wenn man weiß, was für Fragen üblicherweise gestellt werden, kann man die Textverständnis-Aufgaben auch gezielt darauf angehen, um Zeit zu sparen.

Ich habe viel mit diesen Büchern gearbeitet und hatte nie Probleme mit dem Test.

Zum Schluss noch eine positive Nachricht für alle Otakus. Anime schauen kann sich beim JLPT auszahlen. Laut diesem Artikel gab es 2006 eine Hörverständnisfrage, wo eine Szene aus Neon Genesis Evangelion verwendet wurde. Aber bitte nehmt das nicht als Ausrede um das Lehrbuch wegzulegen und lieber Anime zu schauen.

Habt ihr den JLPT schon mal gemacht und wie sinnvoll findet ihr ihn?


Bücher zur JLPT Vorbereitung kann man z. B. bei CD Japan bestellen. (Affiliatelinks)

Nihongo Noryoku Shiken N 1 Moshi X 2 Kaibun Anata No Jakuten Ga Wakaru! / Nihongo Test Kenkyu Kai / Cho Nihongo Noryoku Shiken N 1 Mogi Test / Sendagaya Nihongo Kyoiku Kenkyujo / Cho KANJI for beginners Japanese Language Proficiency Test / Arc academy

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5 Kommentare zu „Der Sinn und Unsinn des JLPT

  1. Schöner Artikel!
    Ich habe den JLPT noch nicht gemacht, habe es aber auf jeden Fall vor, auch wenn ich selbst nicht so viel von Sprachtests halte. Letzten Endes kommt es immer darauf an, wie man im echten Leben mit Muttersprachlern umgehen kann und nicht, wie schnell man eine Grammatikstruktur auf einen Zettel schreibt.
    Mich würde interessieren, wie du die Erfolgsaussichten für jemanden einschätzt, der allein daheim Japanisch lernt und nicht in Kursen oder bei der vhs. Klar, ist alles immer relativ und von der Person abhängig, aber das Sprechen und Kommunizieren fällt im Selbststudium weg. Aber das ist ja anscheinend für den Kurs auch nicht so relevant.

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    1. Danke für den Kommentar und viel Erfolg. 😊
      Ich fand das Selbststudium für mich persönlich sehr effektiv. Ich war zwar in einem Kurs und hatte auch später Japanisch an der Uni, hab diese aber eher für Fragen genutzt und eigentlich allein mit dem Lehrbuch gelernt. Wir haben auch nie Speziell JLPT-Übungen im Unterricht gemacht. Daher würd ich die Erfolgsaussichten gut einschätzen, wenn man jemanden hat, den man bei Unklarheiten fragen kann.

      Gefällt 1 Person

  2. Ich stimme dir voll zu, der JLPT ist auch in meinen Augen kein guter Japanisch-Test. Vor allem, weil selber schreiben und sprechen völlig außer Acht gelassen wird. Außerdem besteht mit dem multiple Choice immer die Chance auch mit richtig raten weiter zu kommen.
    Viele der Übungsbücher sind (besonders im Hörverstehensteil) meiner Meinung nach sogar schwieriger als der JLPT.

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