Mercari oder wenn Japaner unfreundlich und dreist werden

Mercari ist eine in Japan sehr beliebte Flohmarktplattform, wo man fast alles verkaufen und erwerben kann. Allerdings zeigen hier viele Japaner im Deckmantel der gefühlten Anonymität eine ihrer schlechteren Seiten und der Kunde ist alles anderes als König.

Was ist Mercari?

Mercari ist eine Plattform, wo man Waren zum Festpreis verkaufen und kaufen kann. Jeder, der ein Smartphone mit japanischer Nummer hat, kann sich kostenlos registrieren. Das Einstellen geht auch sehr schnell und einfach. Man macht ein paar Fotos, schreibt einen kurzen Beschreibungstext und legt Kategorie, Preis etc. fest.

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Der Bildschirm zum Erstellen eines neuen Listings

Als Käufer zahlt man keine Gebühren, als Verkäufer zahlt man nur bei erfolgreichem Verkauf 10% des Verkaufspreises an Mercari. Klingt eigentlich ganz gut bisher, aber leider schafft es die Plattform nicht ein sicheres Umfeld für Käufer zu schaffen.

Ich selbst nutze Mercari schon ein paar Jahre und habe immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Es folgen ein paar unschöne Erlebnisse, die ich bisher hatte.

Eigene Regeln

Eigentlich funktioniert der Kaufprozess bei Mercari so, dass man auf einen Button in der Beschreibungsseite der gewünschten Ware klickt und dieser einen weiter zu einer Seite leitet, wo man die Zahlungsmethode auswählen kann. Es ist nicht notwendig den Käufer zu kontaktieren, wenn man keine Fragen hat.

Der Rote Button rechts unten ist zum kaufen.
Der rote Button rechts unten ist zum kaufen.

Einige Verkäufer legen aber ihre eigenen Regeln fest und schreiben diese in ihr Benutzerprofil. Es gibt z.B. Verkäufer, die festlegen, dass man zunächst die Kommentarfunktion nutzen und erfragen muss, ob man die gewünschte Ware kaufen darf. Wenn man das nicht beachtet und einfach so kauft, wird man angeschnauzt, bekommt eine schlechte Bewertung und im schlimmsten Fall, bekommt man die Ware gar nicht.

Plötzliche Rücknahme von Angeboten

Vor zwei Jahren wollte ich ein beliebtes Produkt kaufen und war froh, als ich ein Angebot mit akzeptablem Preis fand. Der Verkäufer hatte keine speziellen Regeln angeben, sodass ich direkt zuschlug. Kurz darauf kam eine Nachricht vom Verkäufer, dass er vergessen hatte, den Preis zu erhöhen, er hätte das nämlich schon vorgehabt. Er würde sich an Mercari wenden um den Verkauf rückgängig zu machen.

Ich war leicht entsetzt von der Dreistheit und fragte bei Mercari nach, ob das erlaubt sei. Sie gaben mir die Antwort, dass es nicht erlaubt ist, aber keinerlei weitere Hilfestellung, wie ich damit umgehen soll.

Da es mir mit dem Verkäufer zu bunt wurde, lies ich ihn den Verkauf rückgängig machen und kaufte woanders.

Schlechte Bewertungen ohne Grund

Bei Mercari funktioniert eigentlich alles über die Benutzeroberfläche der App. Man kann per Knopfdruck kaufen und als Verkäufer kann man per Knopfdruck den Verkäufer über das Versenden der Ware informieren. Es gibt auch eine Funktion mit der Käufer und Verkäufer kommunizieren können, diese ist aber nur bei Fragen oder Problemen notwendig. So denke ich als Deutsche zumindest.

Wenn man etwas kauft, kommt vom Verkäufer meist eine Nachricht, in der er sich für den Kauf bedankt und einem mitteilt, wann er plant zu verschicken. Ich sehe da keine Notwendigkeit darauf zu antworten, es sei denn, ich habe spezielle Wünsche, was die Verpackung etc. angeht.

Von meiner Seite reicht es aus, wenn ich nach Erhalt eine Bewertung abgebe und somit gleichzeitig den Erhalt bestätige, für Japaner aber nicht.

Ich habe schon mal eine schlechte Bewertung bekommen, weil ich nicht auf eine Nachricht geantwortet habe, die keine Antwort erfordert hatte. Der Verkäufer meinte, er hätte sich dadurch unsicher gefühlt.

Der Bewertungen im Benutzerprofil, es gibt gut, neutral und schlecht.
Der Bewertungen im Benutzerprofil, es gibt gut, neutral und schlecht.

Schlechte Handhabung von Problemen

Einmal passierte es, das ich bestellte Ware nicht erhalten habe, weil die Post keinen Benachrichtigungszettel in meinen Briefkasten gesteckt hat. Als ich nach einer Weile noch keine Bewertung abgab, wurde der Verkäufer ungeduldig und fing an mir Nachrichten zu schicken, was den los sei. Mercari funktioniert so, dass der Verkäufer erst sein Geld bekommt, wenn man durch eine Bewertung den Erhalt bestätigt.

Ich gab an, dass ich die Ware noch nicht bekommen hatte und fragte, ob der Verkäufer eventuell bei der Post nachfragen kann, wo sie ist. Der Verkäufer meinte das ginge nicht, weil das Paket ohne Tracking-Nummer verschickt wurden war. Das ist aber falsch. Für Pakete, die im Inland verschickt wurden, kann man auch ohne Tracking-Nummer einen Nachforschungsantrag bei der japanischen Post stellen.

Ich wies den Verkäufer darauf hin, doch dieser weigerte sich. Als das Paket dann zum Verkäufer zurückgeschickt wurde, wurde ich beschuldigt, den Abholzettel ignoriert zu haben, den ich ja leider nie erhalten hatte.

Ich willigte ein, die Versandkosten für einen erneuten Versand zu übernehmen und bekam am Ende eine schlechte Bewertung, in der der Verkäufer fälschlicherweise behauptete, dass er die Versandkosten für den erneuten Versand übernommen hatte.

Keinerlei Unterstützung bei defekter Ware

Zum Schluss noch meine schlimmste Story bis her. Vor ca. 2 Jahren habe ich ein gebrauchtes Tablet gekauft, das man mit SIM-Karte benutzen konnte. Der Verkäufer hatte nur ein paar Kratzer in der Beschreibung angeben, sonst sei alles einwandfrei. Das Tablet war auch OK, aber der SIM-Karten Slot war es leider nicht. SIM-Karten wurden nicht erkannt, obwohl sie auf anderen Geräten funktionierten. Ich habe das Tablet dann zu einem Shop für Tablet & Handy Reparatur gebracht und dort wurde mir bestätigt, dass das Tablet defekt ist.

Das teile ich dem Verkäufer mit und bat um Rücknahme des Tabletts, da es nicht wie beschrieben war.

Plötzlich wurde der Verkäufer beleidigend und sah überhaupt nicht ein, warum er es zurück nehmen sollte. Bei ihm hätte das Tablet einwandfrei funktioniert. Mir wurde gesagt, ich könnte es ja selber wieder verkaufen, wenn es mir nicht gefällt. Eine schlechte Bewertung, die ich von dem oben erwähnten Verkäufer erhalten hatte, wurde zum Argument des Verkäufers dafür, dass ich ja bestimmt die Annahme verweigern würde, wenn er das Gerät reparieren und erneut verschicken würde.

Als ich mich an Mercari wandte, hieß es, dass das Problem doch bitte unter den zwei Parteien geklärt werden soll, sie wollten damit nichts zu tun haben.

Nach einer Weile wurde mir das Hin & Her mit dem Verkäufer, dessen Tonfall immer schlimmer wurde, zu dumm und ich gab auf. Der Verkäufer bekam eine schlechte Bewertung und ich habe das defekte Tablet zum An- und Verkauf gebracht, um nicht ganz so viel Verlust zu machen.

Ob das Gerät tatsächlich von Anfang an defekt war oder beim Versand beschädigt wurde, werde ich wohl nie herausfinden.

Seitdem kaufe ich auf Mercari nur noch Dinge, wo es mir nicht schlimm wehtut, wenn sie defekt ankommen würden.

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Wer auf Mercari Tablets kauft, kauft vielleicht doppelt.

Fazit

Käuferschutz wird bei Mercari leider klein geschrieben, nichtsdestotrotz ist Mercari nach wie vor sehr beliebt in Japan. Wer hier einkauft, oder über Shopping Services einkaufen lässt, sollte auf der Hut sein.

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8 Kommentare zu „Mercari oder wenn Japaner unfreundlich und dreist werden

  1. Oha,das hoert sich ja echt aergerlich an. Da kehren einige Japaner im Schutz der Anonymitaet echt ihre boese Seite heraus … Hat man im internet ja leider immer oefter… Danke auf jeden Fall fuer die Warnung! Bisher habe ich nur ueber Amazon oder Rakuten bestellt, da lief immer alles gut. 🙂

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    1. Bei Amazon hat man auch immer Garantie von Amazon, selbst wenn es ein Drittanbieter ist. Da ging bei mir bisher auch alles glatt. Mercari kann man aber für günstige Sachen ganz gut benutzen. Ich kaufe jetzt eigentlich hauptsächlich nur noch Plüschtiere und Figuren, wo ich es nicht selber geschafft hab, die aus den Ufo Catchern rauszuholen.

      Gefällt 1 Person

  2. Ich hab in Japan leider generell die Erfahrung gemacht, dass bei Geschäftsabschlüssen der Käufer/Kunde irgendwie immer den Kürzeren zieht. Japanische Kunden neigen dann auch noch gern dazu, einfach nix zu sagen, wenn was nicht passt, weil sie sich schämen und den Verkäufer nicht direkt mit Kritik konfrontieren wollen. Die zahlen einfach und schweigen. Tatamae eben. Aber im Internet muss man sich ja nicht an die krassen (und teilweise echt kruden) japanischen Regeln des sozialen Miteinanders halten. Da wird’s dann richtig wüst. Ich glaub, viele Japaner finden im Internet grad so’n richtig schönes Ventil, um die ganzen angestauten Emotionen loszuwerden, die sie im Alltag permanent unterdrücken müssen.
    Tut mir Leid, dass du bisher so negative Erfahrungen gemacht hast. Ich hoff, dass das bei dir nie wieder vorkommt!

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    1. Stimmt, das Internet ist hier für viele ein Ventil. Muss man nur bei 2chan reinschauen und schon sieht das sonst so höfliche Japan ganz anders aus.
      Bis auf das Tablet waren es ja weniger schlimme Sachen und teure Elektronik Kauf ich jetzt nur noch bei Händlern mit Rückgaberecht und Garantie.

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