5 Dinge, die mich an Japan negativ überrascht haben

Ich habe mich vor dem Auswandern nach Japan viel mit dem Land auseinandergesetzt, habe ein Jahr als Austauschstudent in Japan verbracht und mich auch an der Universität mit Land und Kultur beschäftigt, trotzdem gab es nach dem Auswandern ein paar Dinge, die mich eher negativ überrascht haben.

1. Einwohnersteuer (Jumin-sei, 住民税)

In Japan zahlt jeder arbeitende Einwohner, der den Freibetrag übersteigt und länger als ein Jahr im Land bleibt, die sogenannten Einwohnersteuer oder Jumin-sei. Für Japaner ist das wahrscheinlich Allgemeinwissen, ich hatte aber keine Ahnung davon, denn die Einwohnersteuer ist sehr tückisch und mein erster Arbeitgeber hatte mich nicht ausreichend informiert. Sie wird anhand des Gehalts im Vorjahr berechnet und fällt daher im ersten Jahr in dem man nach der Uni anfängt zu arbeiten noch nicht an. (Außer man hat als Student mit Nebenjobs bereits so viel verdient, dass man den Freibetrag überschritten hat.)

Als die erste Gehaltsabrechnung von meinem ersten festen Job bekam, war ich froh, dass ich mit dem Geld einigermaßen über die Runden kam. Später wurde mir dann Mal beiläufig eröffnet, dass ich ja nächstes Jahr dann die Einwohnersteuer zahlen muss. Ich fiel erst mal aus allen Wolken, denn bei meinem Gehalt waren das über 10.000 Yen im Monat, die ich plötzlich weniger hatte. Da man die Einwohnersteuer immer für für das Vorjahr bezahlt, zahlt man diese auch weiter, selbst wenn man im aktuellen Jahr den Job verliert und kein Einkommen hat.

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Japanische Steuern kommen unerwartet

2. Arztkosten

Als Student war ich noch über die private Krankenversicherung meiner Eltern aus Deutschland versichert und musste mir keine Gedanken über Arztkosten machen. Daher habe ich mich auch nicht ausreichend über Arztkosten in Japan informiert. In Japan zahlt jeder Versicherte 30% der Arztkosten und Kosten für Medikamente selbst. Das sind bei einer Erkältung meist um die 2.000 Yen für Untersuchung und Medikamente, bei Blutabnahme und Untersuchung so um die 5.000 Yen. Da ich wegen meiner Schilddrüsenerkrankung regelmäßig zur Blutabnahme gehen und auch täglich Medikamente nehmen muss, entstehen so über das Jahr nicht unerhebliche Kosten.

3. Arbeitende Japaner haben nie Zeit

Als Student in Japan bestand mein japanischer Freundeskreis auch hauptsächlich aus Studenten und als Student in Japan hat man viel Freizeit, wenn man nicht gerade auf Jobsuche ist. Daher war es einfach sich mit Freunden zu treffen. Ich hatte auch genug Zeit viele Reisen durch das Land zu unternehmen, um Freunde zu treffen, die ich online kennengelernt hatte und die nicht in der Umgebung wohnten.

attractive businessman busy clock
Arbeitende Japaner haben keine Zeit

Jetzt wo ich arbeiten gehe und die Meisten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis auch, ist es gar nicht so einfach Zeit zu finden, um sich zu treffen. Wenn ich Glück habe, sehe ich japanische Freunde einmal im Monat. Aber man kann es auch nachvollziehen, dass man bei vielen Überstunden und langen Pendelzeiten kaum noch Zeit für Freunde findet.

4. Freunde brechen plötzlich den Kontakt ab

Ein weiteres Problem, dass ich mit japanischen Freunden habe, ist dass es schon mehrmals vorgekommen ist, dass sie sich von heute auf morgen nicht mehr melden und nicht mehr für mich erreichbar sind. Es kommt ja vor, dass sich eine Freundschaft langsam auseinander lebt und beide sich immer weniger melden, bis der Kontakt plötzlich abbricht.  In meinem Fall hatten mich aber Freunde, mit denen ich bis vor kurzem noch intensiv Kontakt hatte, ohne für mich ersichtlichen Grund plötzlich auf allen Kontaktplattformen geblockt.

Woran es genau lag, ist mir bis heute noch nicht klar. Wenn ihr ähnliche oder andere Erfahrungen gemacht habt, könnt ihr es gerne in die Kommentare schreiben.

5. In Japan ist man selber schuld, wenn man krank wird

Mir war ja klar gewesen, dass man in Japan Urlaub nehmen muss, wenn man aufgrund von Krankheit nicht zur Arbeit gehen kann, dass es einem aber negativ angerechnet wird, wenn man krank wird, war mir nicht bewusst.

In der ersten Firma, in der ich in Japan gearbeitet hatte, ging es mir stellenweise wegen des beruflichen Stresses über einen längeren Zeitraum nicht gut. Soweit es ging, habe ich mich trotzdem in die Firma geschleppt, aber an manchen Tagen ging einfach nichts mehr und ich musste spontan zu Hause bleiben oder zum Arzt gehen. Wir reden hier von ca. einem bis zwei Tagen pro Monat.

Als das ein paar Monate so ging, beschwerte sich mein Chef bei mir, dass ich mich nicht ausreichend um meine Gesundheit kümmere und es der Firma schadet, wenn ich plötzlich wegen Krankheit nicht da bin.

Ich war schon ein wenig entsetzt, aber in altmodischen Firmen ist man der Ansicht, es wäre die Pflicht des Arbeitnehmers sich um seine Gesundheit zu kümmern und dafür zu sorgen, dass man nicht wegen Krankheit ausfällt, selbst wenn es sich nur um wenige Tage handelt.

Dass der Stress wegen des zu hohen Arbeitsaufkommens aufgrund Personalmangels entstanden ist und dass ich darauf mehrmals hingewiesen hatte, wurde hier ignoriert.


Da ich ja meistens nur über die schönen Dinge in Japan schreibe, wollte ich auch mal ein paar der negativen Seiten beleuchten. Wie fandet ihr diesen Artikel und was habt ihr für negative Erfahrungen mit Japan gemacht?

 

 

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4 Kommentare zu „5 Dinge, die mich an Japan negativ überrascht haben

  1. Man kann am Steuers-Amt an der Stadt melden,  wenn man im aktuellen Jahr den Job verliert und kein Einkommen hat.
    Falls Plötzlich den Job verliert, dann vielleicht wird die Steuer einige reduziert (Nach der Stadt ist es anders, also bin ich nicht sicher)
    Ich habe einmal selber dieses gemeldet und die Steuer wurde deshalb ein bisschen weniger.
    Bitte melde unbedingt vor der Zahrungstermin.

    Gefällt 2 Personen

  2. Dass mit den „Freunden“ kenne ich auch. Hatte während meiner Zeit in Japan eine richtig gute Freundin, haben uns mehrmals die Woche gesehen, dies und jenes unternommen, ab und an bekam ich sogar aus heiterem Himmel Geschenke von ihr und irgendwann schwuppdiwupps überall geblockt worden und nicht mehr kontaktierbar. Das war schon höchstsonderbar…
    …das Gute ist aber dass es wohl nix mit meinem Ausländersein zu tun hatte, da wir noch andere gemeinsame Freunde hatten von denen es einigen ausgewählten Exemplaren genauso ging.

    Gefällt 1 Person

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